Viele Unternehmen leben immer noch in der Steinzeit, zumindest was ihr Marketing angeht. Ein Weckruf.

Nach wie vor pumpen kleine wie große Unternehmen unfassbare Budgets in lokale Blättchen, Flyer und aussterbende Dinosaurier wie die Gelben Seiten. „Die GELBEN SEITEN??“ Ja, wirklich, die Gelben Seiten.

Dabei muss man sich doch nur selbst fragen: 

Wann habe ich persönlich das letzte Mal im Lokalanzeiger geblättert? Hm. Wann habe ich das letzte Mal nen Flyer in der Fußgängerzone tatsächlich gelesen und danach die Firma kontaktiert, um das sensationelle Angebot einzufordern? Hm, never. Wann habe ich das letzte Mal einen Heizungsinstallateur in den Gelben Seiten nachgeschlagen? „Hm, das muss im Jahr 2006 gewesen sein, als Tante Hilde bei uns im Haus…“  Ok. Is klar.

Aaaber in den Gelben Seiten für teures Geld werben, denn das macht man eben so.  

 

Ganz ehrlich? Nein – macht man nicht mehr so. Denn es macht einfach keinen Sinn mehr. Die digitalen Alternativen spielen in einer völlig anderen Liga, aber bei vielen Betrieben und Unternehmen kommt diese Botschaft nur sehr langsam an. Dabei läuft diesen Unternehmen die Zeit davon. Sie müssten heute idealerweise jeden verfügbaren Euro in Online Marketing stecken, denn das Fenster der günstigen Online-Reichweite fängt an sich zu schließen, und die Firmen, die es erkannt haben, laufen den anderen davon. Sie werden in wenigen Jahren nicht mehr einzuholen sein, werden übermächtige Online-Präsenzen haben und Nischen und ganze Branchen dominieren, während die heute zaudernden Print-Anhänger in Bedeutungslosigkeit untergehen, beim Versuch dann erste digitale Werbeschrittchen zu gehen.

 

Ich wünsche diesen Unternehmen wirklich viel Glück beim Versuch, in 3 Jahren einen erfolgreichen YouTube Kanal zu gründen, oder auf Facebook zu rocken, oder ein Schwergewicht auf Instagram zu werden. Puh – das wird hart. Denn Ihr Konkurrent hat dann über Jahre schon Hunderttausende wertvolle Daten in seinen Facebook Pixel gefüttert – reines Gold. Er hat 200 Videos bei Youtube hochgeladen und dominiert Ihre Branche bzw. die Suchergebnisse dort. Oder er hat mit Hilfe von 21-jährigen Influencern Ihre Zielgruppe bei Instagram für sich vereinnahmt. Und bei WeChat verkauft er an Millionen Fans seine Produkte, während Sie sich gerade auf Wikipedia schlau machen, was dieses WeChat eigentlich ist. Oder dieses TikTok. Oder oder oder.

Es wird so kommen – für sehr, sehr viele Unternehmen.

 

Sie kennen sicher den legendären Ausspruch von Henry Ford: „Ich weiß, die Hälfte meiner Werbung ist hinausgeworfenes Geld, ich weiß nur nicht welche Hälfte“. Dieser Satz wurde in einer Printwelt geprägt, in welcher schlichtweg nicht zu quantifizieren war, wer denn eigentlich unsere Anzeige gesehen und daraufhin unser Produkt gekauft oder unsere Dienstleistung in Anspruch genommen hat. Bei vielen hat sich aber diese Art des Marketings so verfestigt, dass neue Möglichkeiten im Online Marketing gar nicht wahrgenommen werden. 

 

Das folgende Gespräch mit einem größeren Unternehmenskunden hat so tatsächlich stattgefunden und ist symptomatisch, wenn man es als Marketer mit Firmen „vom alten Schlag“ zu tun hat. Es zeigt, wie hartnäckig Firmen oft noch an den alten Medien festhalten, „Weil mir des schon immer so gmacht haben!“, und dass riesige Streuverluste und magere Ergebnisse hingenommen werden, und mit dem nebulösen und schwer zu quantifizierenden Hoffnungsschimmer des Markenaufbaus gerechtfertigt werden: 

 

 Kunde: „Wir haben kürzlich wieder ne riesen Printkampagne im lokalen Anzeiger gemacht, sah stark aus! Hatte aber auch seinen Preis.“  

Ich : „Mhmhm. Was genau habt Ihr da denn bezahlt?“

Kunde: „20.000€. Dafür wurde die Anzeige aber auch zweimal abgedruckt! 100.000 Haushalte! Krass, oder?“ 

Ich: „Mhmhm. Und was kam bei rum?“ 

Kunde: „Hmm, (schaute zum Kollegen), ich glaube wir haben 2 Rückläufer von Interessenten erhalten.“ 

Ich: „ZWEI??“ (ehrlichgesagt war ich gar nicht so verwundert, da ich meinen Kunden schon seit langer Zeit predige, dass Print tot ist und sie endlich Online Werbung schalten sollen…)

Kunde: „Ja. Klar wäre mehr auch schön gewesen… Aber die Bekanntheitssteigerung ist ja auch nicht zu vergessen. Lässt sich halt schwer messen.“ 

 

Ah ja.

Bei sowas drehen sich mir dann immer die Nägel hoch. Aber ich werde nicht müde meinen Kunden zu erzählen, dass sie die Gelben Seiten bitte endlich sterben lassen sollen und immer noch nicht genug Online Werbung machen. 

Inzwischen hat das oben zitierte Unternehmen Gott sei Dank erkannt, dass bei den eigenen Werbemaßnahmen noch Luft nach oben ist: wir haben das Online Marketing übernommen und schalten nun Werbung auf Facebook – für einen Bruchteil des Printkampagnenbudgets. Rund um die Uhr. An genau die Zielgruppe, die das Unternehmen erreichen will.

Nach 1 Tag und ca. 150€ Budget hatten wir 16 Interessenten generiert, das achtfache (!) der kompletten Printkampagne. Und so ging das jetzt über Wochen jeden Tag. Da sollte doch auch der hartnäckigste Printmann nachdenklich werden. Sollte man zumindest meinen.

Irgendwann wird es soweit sein und wenn dann alle werbenden Firmen ihre Budgets von Print in Online verlagert haben wird die Luft bei Facebook & Co. schnell sehr dünn sein. Facebook Klicks werden 20 Mal so teuer sein wie jetzt, leisten können sich das dann nur noch die Schwergewichte.

Hm, wenn ich so darüber nachdenke… Schalten Sie bitte weiterhin Ihre Printanzeigen!! Dann bleiben unsere Facebookanzeigen noch etwas länger so schön günstig…

 

Alternativ können Sie beschließen in fünf Jahren noch relevant zu sein. In dem Fall können Sie uns natürlich auch einfach kontaktieren und wir schauen mal, was wir für Ihr Unternehmen machen können… 🙂

In diesem Sinne: Auf die Zukunft!

Ihr Bernd von Wahlert